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Was mir auf den Keks geht…

16 Dez 2015, Geschrieben von Stefan Dudas in sinnbasiertes Leben

Ich gehe mit einem Kollegen essen. Ich beisse gerade herzhaft in ein Stück frisches, hausgemachtes Brot, da kommt auch schon: «Ups, du isst noch Getreide? Weisst du nicht, dass Weizen und Co. sehr schädlich sind? Da habe ich gerade ein Buch gelesen («Dumm wie Brot»), in dem geschrieben steht, dass Weizen & Co. schleichend das Gehirn zerstören.

Ok. Ich verzichte auf das Brot. Es überkommt mich ein schlechtes Gefühl bezüglich meines Hauptganges. Bei einem guten Stück Fleisch (vom Bauernhof aus der Region) höre ich meinen Kollegen mit zittriger Stimme: «Fleisch? Du isst noch tote Tiere?». Der vorwurfsvolle Blick und seine feuchten Augen treffen mich und mein Steak. Weg damit. Ich bestelle ein Dessert und meine Dessertgabel ist schon im Anflug auf einen Weizenfreien Kuchen, da höre ich: «Oh weh… Zucker. Weisses Gift. Die Industrie macht dich süchtig damit! Da stirbst du daran – garantiert!». Genug. Ich habe keinen Hunger mehr.

Ich bestelle einen schönen Cappuccino. Der sieht auch wunderbar aus mit extra viel Milchschaum. Ich mache schnell ein Bild und poste dieses Prachtwerk an Kaffee in Facebook. Ping. Und schon lese ich im ersten Kommentar, dass dies auch weisses Gift sei. Denn Laktose schädige den Körper, verursache Blähungen, Krämpfe und könne auch zu Krebs führen. Absender dieses Kommentars ist tatsächlich mein Gegenüber, der anscheinend auch bei Facebook ist.

Schweren Herzen schiebe ich den Cappuccino weg und bestelle – Tee. Ohne Zucker und natürlich ohne Milch (und auch ohne Zitrone, weil man die ja brutalst vierteln würde). Ich bin etwas entspannter und der Tee zieht noch vor sich hin, als ich von meinem Gegenüber höre: «Teeplantagen-Arbeiten werden ja sehr oft ausgebeutet. Die bekommen fast nix für ihre Arbeit – weisst du das?». Jetzt reicht es. Ich bezahle für all das, was ich heute Abend nicht gegessen und getrunken habe – und gehe nach Hause.

Ja, ich weiss. Etwas überzeichnet. Ich kenne einige Ovo-Lacto-Vegetarier, Lacto-Vegetarier, Veganer, Rohköstler (und noch keinen Fructaner). Die meisten davon tun das für sich. Sie drängen ihre Meinung niemandem auf. Und das ist gut so.
Früher sagten wir einander, was wir gerne essen. Heute erzählen wir mit erhobenem Zeigefinger, was man nicht mehr essen darf. Liebe Essende: Esst was ihr wollt. Was euch gut tut. Und was ihr mit eurem Gewissen vereinbaren könnt. Ich denke wie bei allem, macht es die Menge aus. Kaputt macht euch das «sich Sorgen machen», was euch umbringen wird. Wenn ihr mit Gedanken wie: «das Ding wird mich fett machen und der Zucker darin wird mich töten» in eine Praline beisst – lasst es. Geniessen und zwar bewusst ist angesagt. Aber drängt niemandem eure Essens-Ideologie auf. Und nein, es macht euch nicht besser, wichtiger oder sonst was. Ihr esst einfach anders. Punkt.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Menschen wären rein zufällig. Aber auch zufällige Ähnlichkeiten sind Ähnlichkeiten.

PS: Ich will hier jetzt keine Pro- und Contra-Diskussion über Ess-Stile. Dafür gibt es tolle Facebook-Gruppen oder Selbsthilfegruppen. Danke.

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